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Glaube und Kultur

Dr. Hanna-Maria Schmalenbach, M.A.

Von der Antike bis zur Postmoderne: Ein Streifzug durch die Geschichte einer spannungsvollen Wechselbeziehung.

Das Verhältnis von Kultur und Glaube schien für die westliche Theologie lange irrelevant zu sein. Allerdings ist der christliche Glaube, wie er in den westlichen Kulturen gelehrt und gelebt wird, im Kontext der globalen Christenheit äußerst kulturspezifisch.

Gleichzeitig befindet sich unser Kulturkreis noch immer im Prozess eines verdichteten Kulturwandels von der Epoche der Moderne zur Postmoderne. Beide Entwicklungen fordern uns heraus, unseren christlichen Glauben und seine Praxis um der Relevanz des Evangeliums willen immer wieder auf einen doppelten Prüfstand zu stellen: den der Heiligen Schrift und den unserer sich wandelnden Kultur, in der wir das Evangelium verstehen und verkündigen.

Unter Kultur sollen hier die gemeinsamen „Strategien zur Daseinsbewältigung“ (Käser 1998) einer Menschengruppe verstanden werden, die das ganze Gefüge ihrer Denkstrukturen, Werte und Regeln umfassen und in ihrem Verhalten zum Ausdruck kommen. Als Motor einer Kultur muss ihre Weltanschauung gesehen werden, die die Begründung für diese Strategien liefert und ihrerseits von vielen Faktoren beeinflusst wird und sich ändern kann.

Der christliche Glaube ist seinem Wesen nach ein universaler Glaube: Jesus Christus ist der Weg zum Heil für alle Kulturen dieser Welt. Seine weltweite Gemeinde konkretisiert sich jedoch in spezifischen Kulturen, wirkt in diese hinein und wird zugleich von ihnen geprägt. Dabei werden vor allem folgende Kulturaspekte wirksam: Der weltanschauliche Hintergrund, aus dem Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen, prägt ihren Zugang zur Schrift und die Relevanz bestimmter Fragestellungen. Der kulturell bevorzugte Denkstil beeinflusst die Verarbeitung und Weitergabe von Glaubensinhalten.

Kultur beeinflusst die Prägung des Gewissens und damit den Umgang eines Menschen mit Schuld und Versagen, sie wirkt in Entscheidungsprozesse hinein und damit auch in den Prozess der Bekehrung – um einige relevante Aspekte zu nennen. Nicht zuletzt prägt Kultur auch soziale Beziehungen und damit die Strukturen, die in der christlichen Gemeinde als richtig empfunden werden. Der christliche Glaube prägt notwendigerweise auch die Kultur, in der er gelebt wird. Gott hat sein Wort und Handeln tief in konkrete Kulturen eingebettet und sich in ihre Sprachen und ihren Denkrahmen hinein offenbart.

Gleichzeitig ist Gottes Wort in alle Kulturen übersetzbar und bewirkt in jeder Kultur göttliches Leben und damit Veränderungen von Menschen und kulturellen Strukturen. Dabei sollen Kulturen nicht zerstört, sondern geheilt werden.

Wie eng Kultur und Glaube miteinander verbunden sind, soll im Folgenden an der Entwicklung des „christlichen Abendlandes“ nachvollzogen werden:

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  1. Glaube und Kultur
  2. 1. Kultur und Glaube in der Vormoderne
  3. 2. Das Werden der Moderne
  4. 3. Das Werden der Postmoderne
  5. 4. Glaube und Verkündigung in der Postmoderne – Denkanstöße
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