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Naturalismus (säkularer Humanismus)

Prof. Dr. Harald J. Bolsinger

Die zentralen Kerngedanken übersichtlich dargestellt.

Analysefragen: Naturalistische Antworten:
1. Was ist die grundlegende Realität – das wahrhaft Wirkliche, der Ursprung? Kein Gott. Ewige oder aus sich selbst generierte Materie ist alles, was existiert.
2. Welcher Natur ist die externe Realität/die Welt um uns herum? Rein naturhaftes Geschehen (keine Schöpfung). Welt funktioniert in undurchbrechbarer Konstanz von Ursache und Wirkung. Vollständig geschlossenes System. Keine Wunder möglich, weil kein Gott vorhanden.
3. Was ist der Mensch? Komplexe Maschine. Persönlichkeit ist (noch) nicht verständlich/ergründbar sondern lediglich Ursache-Wirkungs- Komplex physikalischer und chemischer Prozesse. Alles bisher Unergründete ist auf den (für unseren wissenschaftl. Entwicklungsstand noch zu hohen) Komplexitätsgrad zurückführbar.
4. Was geschieht mit dem Menschen nach dem Tod? Völlige Auslöschung des Lebens bei Tod des Körpers ohne jegliche Rückstände.
5. Warum ist es möglich etwas zu wissen? Das Universum ist ausschließlich durch menschliche Vernunft erfahrbar. Keine weiteren Offenbarungen existent. (Analog Deismus, nur ohne Gotteserfahrung.)
6. Welchen Sinn hat die Menschheitsgeschichte? Lineare Abfolge von Geschehnissen im Prinzip von Ursache und Wirkung Kein übergeordneter Sinnzusammenhang jenseits von Logik. Selbstaktivierter Prozess ohne Schöpfer, der als mechanistische Evolution abläuft.
7. Wie lassen sich Gut/Böse bzw. Richtig/Falsch unterscheiden? Moralprinzipien basieren allein auf menschlichem Konsens. Sie sind völlig autonom, situationsbezogen, menschengemacht und benötigen keinerlei theologischen oder ideologischen Unterbau. V.a. Nutzen- und rationale Überlegungen. (Durch historische Entwicklung viele Parallelen zw. traditioneller theist. begründeter Moral und Humanismus - Unterschiede v.a. in Ehe, Sexualität, Sterbehilfe, Abtreibung, Selbstmord, ...)
+ Welche Kernüberzeugungen und Lebensziele ergeben sich aus der Weltanschauung? Alle Überzeugungen möglich und in der Empirie auffindbar, außer ein Leben für einen Gott (da dieser ja hier nicht existiert).
Konsistenz als geschlossene Theorie: Determinismus des Menschen ist unvereinbar mit menschlicher Freiheit und versch. Moralvorstellungen. Nachtodperspektive verursacht psychologische Probleme durch Sinnlosigkeitsfolge. Kaum Antworten auf "Warum-Fragen" sondern vor allem auf "Wie-Fragen". Als determinierte Denkmaschine könnten alle Wahrnehmungen lediglich im Menschen programmiert sein, um eine bestimmtes (falsches?) Realitätsverständnis zu erzeugen.
Hintergrundinfos: Lehrmeinung in weiten Kreisen der Wissenschaft. Erscheint objektiv. Wird ermöglicht durch Entfernung von Gottgegebenheit der Vernunft.
Beispielhafte Literatur: Humanist Manifesto II (1973); Julien Offray de La Mettrie, Carl Sagan, Stephen Hawking.
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