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Moderne Naturwissenschaft – Was sagt sie zur Existenz Gottes?

Dr. Alexander Fink

„Gott und Naturwissenschaft“? Schon das „und“ gilt heute vielen als Tabubruch. „Naturwissenschaft ist gottfrei“, formulierte Anfang des Jahres eine populär-wissenschaftliche Fernsehsendung. Doch muss die Gottesfrage tatsächlich Hausverbot erhalten?

Wenn Naturwissenschaftler auf der Suche nach Wahrheit sind, wird die Gottesfrage oft a priori ausgeklammert. Das liegt an zwei weit verbreiteten Kurzschlüssen. Zum einen wird oft argumentiert, dass die alten Griechen Donner und Blitz mangels besseren Wissens mit dem Eingreifen des Göttervaters Zeus erklärt haben. Als die Wissenschaft die eigentliche Ursache in elektrostatischer Aufladung von Wassertropfen ausmachte, verschwand Zeus. Er war ein unnötiger Lückenbüßer eines zunächst unverstandenen Phänomens. Auf ähnlicher Linie schreibt auch Stephen Hawking: „Weil es das Gravitationsgesetz gibt, kann und wird sich das Universum selbst aus dem Nichts erzeugen.“1 Gott sei also unnötig. Dieses Zitat zeigt, dass der Lückenbüßervorwurf aber genauso in der anderen Richtung gilt. Denn Hawking führt zwar das Gravitationsgesetz als Erklärung an, aber wie es schon im Nichts existiert und dann das Universum erzeugt haben soll, bleibt er dem Leser leider schuldig. Er drückt lediglich die Hoffnung aus, dass wir irgendwann eine Erklärung mithilfe des Gravitationsgesetzes finden werden. Das ist auch ein Lückenbüßer, ein „natürlicher“ eben. Wissenslücken sind weder Argumente für Gottes Existenz noch dafür, dass es eine rein natürliche Erklärung geben muss. Sie sind einfach Fragezeichen, an denen wir weiter forschen müssen.

Doch warum sollte Gott als Autor der Schöpfung verschwinden, wenn ein Mechanismus entdeckt wird? Wer versteht, wie komplex ein Computer funktioniert, wird keineswegs folgern, dass es keinen intelligenten Entwickler und Konstrukteur gibt. Im Gegenteil wird die Bewunderung für den Urheber sogar noch steigen, weil man die Genialität seiner Gedanken nachzuvollziehen beginnt. So ging es schon Johannes Kepler, als er seine drei Gesetze zur Planetenbewegung entdeckt hatte. Für ihn war das keine Widerlegung Gottes, sondern Anlass zum Lob Gottes. Er und viele andere Naturwissenschaftspioniere erwarteten rationale Gesetze in der Natur, weil sie an einen rationalen Schöpfer glaubten.


Planung oder Zufall?
Die Frage nach Gott lässt sich also nicht auf der Ebene der Mechanismen klären. Und an dieser Stelle taucht Gott auch nicht als Faktor in einer Gleichung auf. Die eigentliche Frage lautet: Deutet unser Wissen und Unwissen eher auf Planung hin oder lässt es sich am besten als Produkt von purem Zufall und Notwendigkeit erklären? Planung erkennt man am Prinzip der Teleologie: D.h. Zwecke oder Ziele, die noch nicht in einem früheren Zustand eines Systems angelegt waren, werden zielgerichtet in einem späteren Zustand verwirklicht. Der Zufall verfolgt keine Zwecke. Diese Methodik ist der Naturwissenschaft nicht fremd. So werden bei der Suche nach außerirdischer Intelligenz (SETI) Signale aus dem Weltall auf rationale Prinzipien überprüft, also z. B. ob sich die Muster einer Primzahlenfolge oder eines Codes darin entdecken lassen.


Entdecken wir in unserem aktuellen Wissen und Unwissen über das Universum solche Spuren von Intelligenz? In der Tat gerieten Astrophysiker seit den 70er-Jahren bis in die Gegenwart hinein immer mehr ins Staunen. Denn die Analyse des Kosmos und seiner Entwicklung, wie man sie mithilfe der Einsteinschen Allgemeinen Relativitätstheorie zu rekonstruieren sucht, lieferte zahlreiche beeindruckende Feinabstimmungen der fundamentalen physikalischen Gegebenheiten. So müssen die Massen elementarer Materie-Bausteine wie Elektronen und Protonen (die wiederum aus drei Quarks zusammengesetzt sind) in einem sehr genauen Verhältnis zur Stärke der elektromagnetischen Kraft stehen, sonst gäbe es keine Atome und/oder Sterne (also auch keine Sonne). Und damit würde dem Leben, wie wir es kennen, jede Basis fehlen. Am eindrücklichsten ist dabei sicher das Verhältnis der Expansionskraft des Universums, der sogenannten dunklen Energie, zur Materiedichte des Universums. Dieses muss auf unglaubliche 1:1060 genau abgestimmt sein.2
Das Universum könnte, ja müsste eigentlich ganz anders aussehen, aber erstaunlicherweise sind alle Werte so austariert, dass kohlenstoffbasiertes Leben, also auch der Mensch, existieren kann. Dies bezeichnet man als die kosmische Feinabstimmung.


Wirkspuren eines Superintellekts
Dennoch scheint fast das gesamte Universum frei von Leben, soweit wir es heute sagen können. Und das liegt daran, dass nicht nur die Grundlagen des Universums stimmen müssen, sondern auch die konkreten Eigenschaften des Systems Sonne-Erde. So erlauben der Abstand und die geringe Exzentrizität der Umlaufbahn der Erde um die Sonne die Existenz flüssigen Wassers. Die Strahlungsleistung der Sonne ist außergewöhnlich stabil und besitzt nur einen sehr geringen Anteil schädlicher harter Strahlung (z. B. UV-Licht). Ihr Maximum liegt im sichtbaren Licht genau in den Energiebereichen, in denen organische Moleküle absorbieren können – die zentrale Voraussetzung für Fotosynthese. Eine entscheidende Rolle spielt auch das Magnetfeld der Erde zur Verwandlung lebensbedrohlicher Ionenstrahlung in wunderschöne Nordlichter. Über hundert derartiger Faktoren wurden bereits identifiziert.3 Bisher hat man noch bei keinem der über 2.000 entdeckten Exoplaneten eine ähnliche Merkmalskombination vorgefunden. Der Astrophysiker Fred Hoyle kommentierte, ein Superintellekt habe mit der Physik ebenso wie mit der Chemie und der Biologie herumgespielt.4
Je mehr wir wissen, desto mehr entdecken wir, wie genau das Universum immer mehr Bedingungen für unsere Existenz erfüllt und dass alles eigentlich ganz anders zu erwarten wäre. Und wäre es in einem rein auf materiellen Prozessen basierenden Universum zu erwarten, dass Materie sich an die Logik mathematischer Gesetze hält, die von Wesen, die erst im Laufe der Geschichte dieses Universums aufgetreten sind, entdeckt und verstanden werden können? So schrieb Einstein 1936 an eine Schülerin: „Jeder, der ernsthaft Wissenschaft betreibt, gelangt zu der Überzeugung, dass die Naturgesetze die Existenz eines Geistes, der dem menschlichen weit überlegen ist, offenbaren …“.


Gott hätte gute Karten vor Gericht
Rationalität entdeckte man überraschenderweise auch auf dem Grunde des Lebens. Denn der genetische Code gleicht einer ausgetüftelten, optimierten Abbildung eines chemischen Systems (den Nukleinsäuren von DNA und RNA) auf ein anderes (den Aminosäuren, aus denen die Proteine bestehen). Beiden Molekülsystemen wohnt keine naturgesetzliche Notwendigkeit inne, miteinander in einer derartigen Wechselwirkung stehen zu müssen. Das wirkt völlig willkürlich und dennoch genial. Würde man einen Indizienprozess vor Gericht führen, hätte sicher der Staatsanwalt, der Gott die Verantwortung für die Existenz des Universums und allen Lebens zuschreiben möchte, gute Karten – auch wenn der Verteidiger des Zufalls sicher auch gegenteilige Argumente vorbringen kann. Gott wird hierbei nicht als Mechanismus oder Lückenbüßer ins System der Naturgesetze eingeführt, sondern er ist für die vorgefundene übergeordnete Zweckorientierung verantwortlich. Diese Verantwortung kann man einem irrationalen materiellen Prozess nicht zuschreiben. Zu beachten ist, dass man die Person des Schöpfers natürlich nicht über sein Werk, die Natur, kennenlernen kann. Dazu muss Gott sich selbst mitteilen, was er nach dem Zeugnis der Bibel ja auch getan hat.


  1. Hawking, Stephen/Mlodinow, Leonard: Der große Entwurf.
     

  2. Vgl. Lennox, John: Hat die Wissenschaft Gott begraben?; Hägele, Peter: Die moderne Kosmologie und die Feinabstimmung der Naturkonstanten auf Leben hin.
     

  3. Ross, Hugh: The creator and the cosmos; Ruest, Peter: Das Weltall – auf den Menschen abgestimmt.
     

  4. Lennox, John, zit. nach Hoyle, Fred (1982): Annual Reviews of Astronomy and Astrophysics 20. 

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